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Aus der Sicht von Kirche und Gemeinde
Church

GEDANKEN IN DER KIRCHENBANK

„Wie konnte das passieren?“
„Pastor So-und-so ist solch ein gottesfürchtiger Mann!“
„Sie muss ihn verführt haben.“
„Ob sie ihn für Geld verklagt hat?“

Dies sind nur einige Kommentare, die Sie hören, sobald die Neuigkeit vom priesterlichen Missbrauch seine Runde macht. Die Gemeinde als Ganzes steht unter Schock, unfähig, das Geschehene zu begreifen. Die grenzenlose Fassungslosigkeit wird durch Gerüchte noch verstärkt. Diese ersten Reaktionen gefallen kaum jemandem, besonders nicht dem Opfer. Falls die Gemeinde diesem die Schuld an der Verfehlung ihres Pastors zuweist, wird es ein zweites Mal in die Opferrolle gedrängt.

Es ist wichtig, dass sowohl das Opfer als auch der Pastor und deren Familien von der Gemeinde liebevolle Anteilnahme und Beistand erfahren. Anteilnahme und Beistand bedeuten keineswegs, ein Auge zuzudrücken und den Pastor auf seiner Kanzel zu belassen oder die Konsequenzen seiner Sünde wider Gott, das Opfer, die Familien und die Gemeinde vergessen zu machen. Liebe—reine Liebe—strebt ewiges Seelenheil an und begnügt sich nicht mit einer vorübergehenden Flucht aus der Verantwortung.

WIE SOLLTEN SIE DEM OPFER BEGEGNEN?

Die Frau in der Opferrolle hat für das von ihr Erlebte unsere Liebe, unser Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme verdient. Hören Sie ihr aufmerksam zu. Sie wird Ihr Verständnis und Ihren Beistand brauchen, selbst wenn Sie die Ereignisse erst langsam zu begreifen beginnen. Lassen Sie sie wissen, dass Sie ihr glauben und für sie beten. Halten Sie das Gespräch vertraulich. Ihr Vertrauen ist bereits von dem Pastor verraten worden, verraten Sie es nicht ein zweites Mal. Das Wissen um die richtigen Worte und das richtige Handeln ist ebenso wichtig wie die Kenntnis des Gegenteils.

DIESE WORTE ODER TATEN HELFEN WIRKLICH NICHT:

  • „Du musst doch gewusst haben, was er wollte.“
  • „Wie konntest du so dumm sein?“
  • „Du hättest dich anders kleiden sollen.“
  • „Du kannst nicht vergessen, nein?“
  • Behauptungen, das Opfer sei schlecht, weil es die Verfehlung überall herum erzähle.
  • Ermahnungen, das Opfer solle ruhig sein.
  • Vorwürfe, das Opfer handle aus Hass, Neid, Rache oder dem Wunsch, der Kirche zu schaden.

Viele Opfer haben in ihrem Leben mehr als einmal sexuelle Übergriffe oder sonstige Traumata erfahren müssen. Dies mag zeitweise ihr Urteilsvermögen in Bezug auf Kleidung, Charaktere und Absichten beeinflussen. Missbrauch hat nichts mit Intelligenz zu tun. The Hope of Survivors hat Opfern jeder Gesellschaftsschicht geholfen, darunter anerkannten Therapeuten, Krankenschwestern, usw. Intelligenz, Wissen, Ausbildung—oder deren Mangel—sind keine Indikatoren für Missbrauchsanfälligkeit. In erster Linie ist es der emotionale Zustand, der jemanden zum Opfer werden lässt.

ChurchManchmal, wenn innerhalb der Kirche keine Lösung gefunden werden kann, werden Missbrauchsfälle vor ein Straf- oder Zivilgericht gebracht. Falls das geschieht, hatte das Opfer mit größter Wahrscheinlichkeit keine andere Wahl, weil es sich von seiner geliebten Kirche—ohne faire Behandlung und ohne Lösung—allein gelassen fühlte. Denken Sie daran, dass es primär NICHT darum geht, wie das Gericht in solchen Fällen entschieden hat. In den meisten Fällen einigen sich die Parteien außergerichtlich, und selbst wenn ein Fall vor Gericht verhandelt wird, spiegelt das Urteil nicht notwendigerweise die Schuld oder Unschuld des Angeklagten wider. Das Hauptaugenmerk sollte immer auf der Aussöhnung zwischen Opfer und Täter liegen.

Was die Kirchenmitglieder anbelangt, so werden sie lernen müssen, mit dem Schmerz und dem Stress umzugehen, die durch die Sünde des Pastors verursacht worden sind. Ihr Vertrauen ist durch den Pastor ebenfalls verraten und betrogen worden. Es dauert seine Zeit, bis der angerichtete Schaden verkraftet ist. Einige in der Gemeinde könnten, ihrer Illusionen durch die Tat beraubt, sogar die Kirche verlassen oder sich von Gott abwenden—auf immer und ewig. Die Auswirkungen eines durch einen Pastor zerstörten Vertrauens sind mannigfaltig und wirken sich sowohl auf die Kirchengemeinde als auch auf die Gemeinschaft als Ganzes aus.

Gemeinden, die sexuelle Übergriffe durch einen Pastor erfahren, sehen sich echten Herausforderungen gegenüber. Einige Mitglieder stehen auf Seiten des Pastors und wollen, dass er auf der Kanzel bleibt. Andere halten zum Opfer. Was in dieser Angelegenheit wirklich zählt, ist, Gottes Willen zu befolgen, und das ist nur möglich durch Befolgen von Gottes Wort. Die Bibel stellt klar, dass Sünde, begangen von einem Mann der Kirche, ernste Folgen nach sich zieht. Ein Pastor, dem Moral so wenig bedeutet, ist ungeeignet, an Christi Stelle vor die Gemeinde zu treten. Zu seinem eigenen Seelenheil hat er abzudanken bzw. ist er aus dem Amt zu entfernen, so dass er sich dem Aufbau einer neuen errettenden Beziehung zu Christus widmen kann.

WIE KONNTE DAS GESCHEHEN?

Bei einer Beratung oder gemeinsamen Arbeit könnte der Pastor allmählich über seine Empfindungen für die Gesprächspartnerin sprechen, wobei er die Heilige Schrift manchmal raffiniert verdreht, um zum einen sein Fehlverhalten zu stützen und zu rechtfertigen und zum anderen der Frau Probleme in ihrer Ehe zu bereiten.

WIE HÄTTEN WIR DAS WISSEN KÖNNEN?

Wir wissen nicht, was in anderen vor sich geht, aber normalerweise gibt es Anzeichen, falls ein Pastor vom rechten Weg abkommt. Nach außen mag er übertrieben freundlich sein und einem kleinen Flirt nicht abgeneigt. Vielleicht ist er sehr kontrollierend und manipulativ—ein Hinweis darauf, dass er seine Interessen in den Mittelpunkt stellt, was ihn zu einem Missbrauch seiner Macht verleiten kann. Vielleicht richtet er unpassende Bemerkungen an Frauen, oder er kommentiert sie anzüglich. Und falls er Frauen in Abwesenheit anderer berät, dann kann das die Tür zu unangebrachten sexuellen Annäherungen und Übergriffen öffnen. Der Inhalt oder Stil seiner Predigten kann sich von einem Tag auf den anderen ändern, und vielleicht lässt er die vom Geist erfüllte Kraft vermissen, die er einmal besaß. Alle diese äußeren Anzeichen deuten auf einen Kampf hin, der in seinem Inneren tobt, eine mögliche Folge eines Mangels an Gebeten und gottesfürchtigem Leben. 

Satan versucht stets, die Diener und Kinder Gottes zu vernichten. Aus diesem Grund müssen wir uns im Gebet um Gottes Schutz und Anleitung immer wieder gegenseitig aufbauen.

WEM KÖNNEN WIR VERTRAUEN?

Um vertrauenswürdig zu sein, muss das Herz des Pastors eine Heimstätte für Christus sein. Eine solche Beziehung spiegelt sich auch im Verhalten des Pastors wider. Sein Leben hat er selbstlos der Hilfe am Nächsten geweiht. Als Gottes wahrer Diener steht er gewissenhaft und treu zu seiner Berufung.

WIE KÖNNEN WIR DARÜBER HINWEGKOMMEN?

Nur in Besinnung auf Gott können die Wunden aus Schmerz und Verstörung heilen. Wir müssen für einander beten, für den Pastor, das Opfer und deren Familien. Bittet Gott um Vergebung und Heilung und dass die Eheleute wieder zueinanderfinden. Sprecht offen über eure Gefühle, die Verletzung und den Schmerz. Reicht denen die Hand, die verwundet sind und bietet ihnen an, ihnen beizustehen und sie aufzurichten. Letztendlich gewinnen wir spirituelle Reinheit, indem wir auf Gott schauen, nicht auf die Menschen.

WIE SOLLTE DIE KIRCHE DAMIT UMGEHEN?

Die Kirche sollte zunächst im Gebet Gott um Anleitung und um Führung durch den Heiligen Geist bitten. Anschließend kann sie mit Bedacht und Feingefühl die Gemeinde darüber informieren, dass es eine moralische Verfehlung gegeben und dass der Pastor in seiner Eigenschaft als Christi Stellvertreter nicht die hohen Ansprüche erfüllt hat, welche die Bibel und die Kirche an ihn stellen. Die Kirche darf in dieser Krise nicht die Augen vor der Wahrheit verschließen oder die Schuld an der priesterlichen Sexualgewalt dem Opfer geben.

Machen Sie der Gemeinde klar, dass es sich hier nicht um eine „Liebelei“ handelte, sondern dass der Pastor sein Amt missbrauchte, um einer ihm wehrlos ausgelieferten Frau sexuelle Gewalt anzutun. Er zerstörte das heilige Vertrauen in sein Amt; aus diesem Grund hat er von selbigem zurückzutreten.

Die Kirche sollte anbieten, dem Pastor, den Opfern und deren Familien bei der Vermittlung geeigneter Beratungsstellen behilflich zu sein und ihnen die Möglichkeit verschaffen, seelisch und emotional zu gesunden. Aber während die Kirche dem Pastor weiterhin die helfende und vergebende Hand der Erlösung reichen sollte, muss diesem klar sein, dass er entschlossene und geeignete Schritte aufrichtiger Reue unternehmen muss, wenn er weiterhin der örtlichen Kirchengemeinde angehören will.

Vielleicht fragen Sie sich noch, ob jemand, der gegen die Moral verstoßen hat, zur Verantwortung gezogen werden sollte. Die Frage muss lauten: Mit welchen Augen soll die Welt Gottes Herrlichkeit und Seine Macht in einer Kirche sehen, die Menschen vor der Sünde retten will? Und was sagt die Welt zu einer Gemeinde, die nichts gegen ein geistliches Oberhaupt unternimmt, das sich selbst entweiht hat? Gegen eine lasterhafte Amtsleitung vorgehen und sie  aus dem Amt entfernen zu müssen, mag für die Kirche erst einmal  beschämend sein, aber letzten Endes wird es das Vertrauen in sie bewahren, ihrer Gemeinde Zeuge von Licht und Hoffnung in einer Welt des Bösen zu sein.

Priesterliche Sexualgewalt ist eine seelische und emotionale Belastung, nicht nur für das Opfer, sondern auch für die gesamte Gemeinde. Die Kirche kann ihrer Verantwortung nicht entfliehen, gegen Übergriffe von Geistlichen vorzugehen und letztere von ihren Aufgaben zu entbinden. Die Kirche kann dann ihre Verantwortung erfüllen, in Christi Namen den Opfern liebevoll auf dem Überlebensweg zu helfen. Nur dann kann die Kirche vor der Gemeinde glaubwürdig Zeugnis ablegen und ein Zufluchtsort für Menschen werden, die—weil verwundbar—Schutz suchen vor einer bösen, sie verletzenden Welt. 

 

Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind.--Psalmen 34:19

 
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